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Schafft die Stellenanzeigen ab

16. Mai 2017 - Arbeitswelt der Zukunft
Schafft die Stellenanzeigen ab

Kaum ein anderes Thema beherrscht die Personalszene mehr als das Recruiting. Die meisten Blogs der HR-Szene beschäftigen sich mit dem Thema, Berater, die Unternehmen beim Recruiting unterstützen, schießen wie Pilze aus dem Boden und dennoch ist es für Unternehmen nach wie vor extrem schwierig, die richtigen Kandidaten zu finden und ihre offenen Stellen zu besetzen.

 

Doch trotz Digitalisierung und den neuen Medien hat sich die grundlegende Vorgehensweise beim Recruiting nicht verändert. Dabei genügt es nicht, nur den bisherigen Prozess zu digitalisieren, sondern der gesamte heutige Recruiting-Prozess muss auf den Prüfstand gestellt werden. Frei nach dem Motto: „Wenn Sie einen schlechten Prozess digitalisieren, dann haben sie einen schlechten digitalen Prozess“.

 

Gute alte Zeiten

 

Ja, es gab Zeiten, da war man als Bewerber froh, wenn man überhaupt einen Job bekommen hat. Jobs wurden (wenn überhaupt) in Zeitschriften veröffentlicht und wer auf Jobsuche war, musste oft Bewerbungen in zweistelliger Menge versenden um überhaupt eine Einladung zum Gespräch zu erhalten. Der Prozess lief im letzten Jahrhundert noch genau so, wie zu Zeiten der Industrialisierung vor 150 Jahren. Nur dass statt der Tafel am Werkstor die Stelle in Zeitschriften veröffentlicht wurden und Bewerber mussten sich viele Gedanken machen, wie sie ein Bewerbungsschreiben auf die Ausschreibung bzw. das Unternehmen optimieren, um unter der Vielzahl der „Wettbewerber“ aufzufallen. Es gab unendlich viel Seminare, Berater, Schulungen um Bewerber auf den Bewerbungsprozess vorzubereiten – wie schreibe ich Bewerbungen und wie führe ich Gespräche, um den bestmöglichen Eindruck zu hinterlassen. Bewerbern wurde dabei eingeimpft, sie müssen mobil sein und auch mal einen Job annehmen, der nicht zu 100% ihren Vorstellungen entspricht oder nicht das Gehalt bietet, das sie sich vorstellen. Menschen sind für ihren Traumjob umgezogen, haben lange Wege von der Wohnung zur Arbeitsstätte auf sich genommen und waren teilweise froh, überhaupt einen Job zu bekommen. Und Unternehmen konnten es sich leisten, über Zielvorgaben und deren konsequente Erreichung zu führen.

 

Und heute?

 

Seit dem Ende des letzten Jahrhunderts hat sich der Bewerbermarkt komplett gedreht. Die demographische Entwicklung schlägt mittlerweile voll zu und so gibt es in vielen Branchen mittlerweile viel mehr offene Stelle als Bewerber zur Verfügung stehen. Und die wenigen Bewerber haben es nicht mehr nötig, viele Bewerbungen zu schreiben oder stundenlang Stellenanzeigen zu lesen und darauf zu reagieren. Und wie reagieren Unternehmen darauf?

Zum einen kümmern sich Unternehmen mittlerweile sehr stark um die bestehenden Mitarbeiter, damit sich diese im Unternehmen wohlfühlen und das Unternehmen nicht verlassen. Es gibt Programm für Mitarbeiter, von der optimierten Bezahlung bis zur Massage, vom kostenlos Obst bis zum demokratischen Unternehmen ohne Hierarchie.

Zum anderen wird viel in Personalmarketing investiert, um Unternehmen nach aussen hin interessant wirken zu lassen und Recruiter kommen immer weiter in die Rolle eines Vertrieblers oder Marketingprofis. Nicht mehr der Auswahlprozess steht im Vordergrund sondern die Fähigkeit, das Unternehmen und den Job dem Bewerber so gut wie möglich zu verkaufen. Und im Personalmarketing widmen sich ganze Websites von Unternehmen nur dem Thema Jobs und Unternehmen gehen tagelang auf Messen, um sich darzustellen oder veranstalten Aktionen auf der ganzen Welt. In den sozialen Medien versucht man sich auf die Zielgruppe einzustellen und veröffentlicht eigene Fanpages auf facebook, Unternehmensseiten auf XING oder LinkedIn und ist auch auf Snapchat, Instagramm oder twitter unterwegs. Und das allein mit dem Ziel, interessante Bewerbungen zu erhalten. Somit wurde in den letzten Jahren der bisherige Prozess nur auf eine andere und breitere Basis gestellt. Statt in ein oder zwei Zeitschriften zu inserieren, werden Jobs auf Jobportalen (und da gibt es zur Zeit ca. 2.500), der eigenen Karriere-Webseite und in vielen sozialen Medien veröffentlicht. Auf der anderen Seite haben die wenigen, die einen Job suchen, keine Lust, sich auf mehreren Jobportalen zu registrieren, immer wieder ihre Daten einzugeben und ständig neue Bewerbungen zu schreiben – das haben sie nicht mehr nötig.

 

Und das Ergebnis

 

Das Ergebnis aus diesen umfangreichen Veröffentlichungen ist aber häufig nicht von großer Resonanz geprägt, manchen Unternehmen oder Branchen sind froh, wenn sie eine Handvoll Bewerbungen bekommen und diese entsprechen häufig nicht den Anforderungen an die zu besetzende Stelle. Und schon haben sich neue Berater etabliert, die Unternehmen dabei helfen, genügend Kandidaten zu bekommen. Werbeagenturen beraten plötzlich Personalabteilungen und Social Media Berater kümmern sich um das Recruiting, um Kandidaten in den Medien zu finden und anzusprechen – nur dass diese häufig gar keine Lust oder Interesse haben, einen neuen Job anzutreten.

 

Neue Möglichkeiten

 

Der wirkliche Ausweg aus dieser Misere kann aber nur sein, den heutigen Prozess radikal zu verändern. Abhilfe dafür schaffen jetzt neue Jobbörsen, wie zum Beispiel die neu gegründete SiiWii, die den Prozess an sich umdrehen. Es handelt sich dabei nicht mehr um Jobbörsen, sondern um Lebenslauf-Datenbanken. Diese ermöglichen es dem Jobsuchenden, dass er nur einmal seine gesamten Daten wie Ausbildung, Erfahrung, Wunschstelle und -konditionen angeben muss und nun aktiv vermerken kann, ob er bereit ist für eine neue Aufgabe. Auf diesen Portalen können Unternehmen keine Stellenanzeigen aufgeben – vielmehr suchen sie gezielt über detaillierte Matchingverfahren die richtigen Kandidaten. Und das Ganze natürlich anonym und somit AGG-konform.

Nun kann sich das Unternehmen bei dem Kandidaten bewerben, unter Angabe von Aufgabe, Konditionen, Leistungen et cetera. Gefällt dies dem Jobsuchenden, kann er seine Kontaktdaten freigeben und der eigentliche Einstellungsprozess kann starten. Jobsuchenden ermöglicht dies, selbst zu steuern, ob und wann er für eine neue Aufgabe bereit ist, Unternehmen reduzieren damit ihren Aufwand massiv und erhöhen ihre Erfolgsquote bei der Gewinnung von Mitarbeitern massiv.

Eine neue Möglichkeit, die endlich den veränderten Gegebenheiten am Arbeitsmarkt gerecht wird, ohne dass Unternehmen teure und uneffiziente Stellenanzeigen schalten und nicht wissen, was kommt …

 

 

Autor: Thomas Eggert

Geschäftsführer Begis GmbH & SiiWii GmbH