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Motivationssteigerung durch Work-Life-Integration

22. Juni 2016 - Arbeitswelt der Zukunft
Motivationssteigerung durch Work-Life-Integration

Natürlich sollten Privatleben und Arbeitsleben für alle Mitarbeiter ausgeglichen sein. Doch warum nur ausgeglichen? Sind Privat- und Arbeitsleben nach wie vor als Gegensätze zu sehen? Kann das Privatleben nicht in die tägliche Arbeit integriert werden? Meine Antwort: Natürlich kann es das. Die besten und innovativsten Ideen kommen oftmals nicht solange man im Büro sitzt. Eine Untersuchung des US-Kognitionspsychologen Scott Barry Kaufmann im Auftrag des Sanitärherstellers Hansgrohe ergab, dass 72 % der Menschen unter der Dusche neue, kreative Einfälle haben. 14 % setzen die Dusche sogar bewusst als Ideengenerator ein.

 

(https://www.impulse.de/management/selbstmanagement-erfolg/duschen-ideen/2196771.html)

Unternehmen müssen aus diesem Grund keine Duschräume im Büro einrichten (wobei sich dies für betriebliche Sportangebote natürlich eignet). Freiräume und Möglichkeiten zum Auftanken oder Austauschen sollten jedoch geschaffen werden. Gerade in der IT-Branche ist es oft der Fall, dass Mitarbeiter sich während der Mittags- oder Kaffeepause über die Arbeit, neueste Technologien oder aktuelle Projekte unterhalten. Warum sollte das nicht als Arbeitszeit gelten? Der Trend geht immer mehr zur Erhöhung der Freiheitsgrade von Mitarbeitern und zur Einbindung und Bindung der „neuen Kreativen“ wie sie von dem US-Forscher Richard Florida bezeichnet werden.

Große Unternehmen wie Google, Samsung oder Yahoo folgen diesem Trend bereits seit vielen Jahren sehr erfolgreich.  Bei Google werden den Mitarbeitern sogar 20% der Arbeitszeit zur privaten Nutzung eingeräumt und in dem norwegischen Unternehmen Telenor wurden „Strategic Coffee Machines“ (https://hbr.org/2014/10/workspaces-that-move-people) eingeführt. Die strategische Positionierung der Kaffeemaschine als Austauschplattform für Mitarbeiter deckt sich auch mit meinen persönlichen Erfahrungen. Die Work-Life-Balance stammt aus dem Industriezeitalter und ist nicht mehr an die aktuellen Bedürfnisse und Wünsche der Mitarbeiter angepasst. Eine Studie von salary.com fand heraus, dass 64% der Mitarbeiter täglich während der Arbeitszeit Internetseiten besuchen, die nichts mit ihrer Arbeit zu tun hat. Aufgrund des technischen Wandels sind die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben fließend. Von der Work-Life-Balance wollen die „neuen Kreativen“ nichts wissen.

Natürlich ist bei der Motivationssteigerung durch Work-Life-Integration auf die intrinsische und die extrinsische Motivation zu achten. Ich sehe als Ziel der Work-Life-Integration hauptsächlich die intrinsische Motivation als erstrebenswert an. Wenn Mitarbeiter sich wohl fühlen, Spaß an der Arbeit haben und gleichzeitig das Gefühl haben, dass ihr Privatleben und das Vergnügen auch während der Arbeitszeit nicht zu kurz kommen, sind sie motiviert.

Ziel der Work-Life-Integration

Das generelle Ziel der Work-Life-Integration ist die Mitarbeitermotivation und -bindung. Mitarbeiter sollten kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie im Büro mit ihrer Familie oder Freunden telefonieren. Genauso wenig sollte ein schlechtes Gefühl aufkommen, wenn man zu Hause noch eine Mail vom Chef oder den Kollegen beantwortet. Damit die Work-Life-Integration eine Chance hat, müssen Arbeitszeit und Arbeitsort flexibel gestaltbar sein. Flexible Arbeitsorte können zum Beispiel durch Home-Office-Verträge geschaffen werden. Für Mitarbeiter, die nicht nur in den Büroräumen arbeiten möchten, aber auch nicht nur alleine im Home-Office bieten sich Coworking Spaces an. Diese Möglichkeiten sollen kommuniziert sein und Mitarbeitern aktiv angeboten werden. Die Flexibilisierung der Arbeitszeit kann durch diverse Arbeitszeitmodelle wie Vertrauensarbeitszeit, Einführung von Lebens- oder Jahresarbeitszeitkonten, bis hin zur generellen Abschaffung der Arbeitszeiterfassung unterstützt werden. Es geht heute nicht mehr darum, die Aufgaben in einem bestimmten Zeitrahmen abzuarbeiten, sondern die Aufgaben dann zu erledigen, wenn sie erledigt werden müssen. Auch eine variable Vergütung je nach individueller Zielerreichung und Leistungserbringung ist denkbar. Wichtig ist hierfür ein faires Gehalt als Grundbasis und eine klare Zielvorgabe. Wie der Mitarbeiter das Ziel umsetzt oder wie viele Arbeitsstunden er hierfür benötigt ist irrelevant.

Führungsverhalten

Seit mehreren Jahren belegen Studien, dass die Mitarbeitermotivation auch durch erhöhte Freiheitsgrade und durch flexible Arbeitsmodelle beeinflusst wird. Dies kann durch ein positives Führungsverhalten unterstützt werden. Dazu ist wichtig, dass die Führungskräfte verstehen und verinnerlichen, um was es bei der Work-Life-Integration geht. Sie sollen nicht denken, dass die Mitarbeiter nur ihre Freiheiten ausleben und ihre Arbeitszeiten gemäß ihren persönlichen Bedürfnissen verteilen oder gar nicht mehr arbeiten.

Als Fazit kann man sagen, die Work-Life-Integration ist nicht für jeden Mitarbeiter oder für jede Branche geeignet. In produzierenden Unternehmen mit Schichtdienstmodellen können die Mitarbeiter nicht so einfach Feierabend machen und am nächsten Tag dafür länger arbeiten. Die Integration zielt vor allem auf kreative Berufe ab, bei denen es um neue und innovative Ideen geht. Für diese Berufsgruppe finde ich die Work-Life-Integration ideal.

 

Lichtbild_Simone Engelhart

 

Autorin: Simone Egelhart

HR Business Partner

 

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